Gender-Forschungssalon

Der Gender-Forschungs­salon ist ein regel­mäßiger Austausch­treff zwischen For­schung, Theorie und Praxis. In jedem Salon steht ein aktuelles Thema im Fokus: Dazu gibt es einen kurzen Input, gefolgt von einer offenen, wert­schätzenden Dis­kussion. In ent­spannter und kollegialer Atmos­phäre tauschen sich Teil­nehmende aus, stellen Fragen und be­arbeiten gemeinsam ihre An­liegen. Der Salon fördert so eine soli­darische Ver­netzung und einen leben­digen Dialog zwischen Theorie und Praxis.

Nächster Gender-Forschungs­salon

Thema und Datum des nächsten Gender-Forschungs­salons werden hier auf der Web­site ver­öffentlicht. Wer über neue Termine infor­miert oder in den Verteiler auf­genommen werden möchte, kann sich gerne per E-Mail an wenden.

Themen vergangener Gender-Forschungssalons

Rechtsextremismus­forschung braucht eine inter­sektionale Aus­richtung. Mit der Frage, warum geschlechter­reflexive wie auch rassismus­kritische Perspektiven, die zu­meist auf komplexe Weise in­einander ver­schränkt sind, für die ein­schlägige Forschung wichtig sind, beschäftigt sich Prof. Dr. Heike Radvan, Institut für Rechts­extremismus­forschung an der Universität Tübingen, seit ihrer Zeit in der Amadeu Antonio-Stiftung, wo sie zusammen mit Esther Lehnert die Fach­stelle Gender und Rechts­extremismus aufgebaut hat. Auch Prof. Dr. Katrin Degen, Hochschule Esslingen, arbeitet und forscht seit vielen Jahren zu gender- und sexualitäts­sensiblen Aspekten in Zusammen­hang mit der (extremen) Rechten.

Beide Expertinnen werden an dem Abend anhand von Forschungs­erkenntnissen in die Aus­einander­setzung darüber einführen. Wir wollen uns damit beschäftigen,

  • welche Folgen es hat, wenn in der wissen­schaftlichen und praktischen Aus­einander­setzung mit Rechts­extremismus NICHT geschlechter­reflektiert gearbeitet wird – und wenn die omni­präsenten all­täglichen Rassismen als "unpolitisch" baga­tellisiert werden;
  • wie mit einer intersektionalen Brille die Kern­narrative des Rechts­xtremismus und seine Ausdrucks­formen erkennbar werden,
  • und – vor allem – welche Heraus­forderungen sich in diesem schwierigen Feld für eine Praxis­forschung bzw. für den Forschungs-Praxis-Transfer stellen.

Ausgangspunkt war ein aktuelles, seit 2022 laufendes DFG­-gefördertes Forschungs­projekt am Institut für Krimi­nologie der Uni­versität Tübingen: „Femizide in Deutschland – Eine empirisch-krimi­nologische Unter­suchung zur Tötung an Frauen“. In Ko­operation mit dem Krimi­nologischen Forschungs­institut Nieder­sachsen wurde auf Basis von über 300 Straf­verfahrens­akten zu Tötungs­delikten mit weiblichen Opfern eine De­finition des Be­griffs Femi­zid er­arbeitet, die nun zur Diskussion gestellt wurde.

Im Fo­kus des Sa­lons standen die Fragen:

  • Wie lässt sich fest­stellen, ob ein Tötungs­delikt geschlechts­bezogen motiv­iert war?
  • Wie lässt sich der Begriff Femi­zid für die empirisch-krimi­nologische For­schung operatio­nalisieren, um das Phäno­men auch quanti­tativ zu er­assen?

Die In­puts kamen von Sabine P. Maier (Sozial­wissenschaftlerin, Aka­demische Mit­arbeiterin am Insti­tut für Krimi­nologie der Uni­versität Tübingen, an der HS Esslingen und enga­giert im Forschungs­institut tifs e. V.) und Florian Reb­mann (Jurist und Krimi­nologe, Aka­demischer Mit­arbeiter am Insti­tut für Krimi­nologie der Uni­versität Tübingen und am Lehr­stuhl für Kriminologie, Straf- und Sanktionenrecht).

Am 4.11.2024 fand unsere tifs-Veranstaltung „Queer, Gender, Diversität, Inklusion – inter­sektionale Politiken in der Arbeits­welt“ statt – hybrid aus den Räumen der Tü­binger Museums­gesellschaft.

Basierend auf der Studie „Queeres Leben in der Arbeitswelt“ von Gerrit Kaschuba disku­tierten Expert*innen auf dem Podium über fehlende nach­haltige Diversity-Strategien in Unter­nehmen, die Be­deutung von Sicht­barkeit und Kommuni­kation über die An­liegen queerer Menschen im Arbeits­kontext sowie die Rolle der Digi­tali­sierung zur Stär­kung queerer Netzwerke.

Die Veranstaltung wurde finanziell ge­fördert durch die Stabs­stelle Gleich­stellung und Integration der Universitäts­stadt Tübingen und fand in Ko­operation mit dem Fritz Erler-Forum Baden-Württemberg statt. Der Bericht und Mitschnitt der Veranstaltung findet sich auf den Seiten des Freien Radios Wüste Welle.

Lesung aus dem Buch „Kämpferinnen“, das von Birgit Buchinger, Renate Böhm, Ela Großmann 2021 heraus­gegeben wurde. Für zwölf be­kannte Frauen*, die heute zur Gene­ration 75plus zählen und die Frauen­forschung an die Uni­versitäten gebracht, Gewalt öffentlich gemacht und Frauen­diskriminierung in ver­schiedenen Be­reichen auf­gedeckt haben, wurden von jüngeren Frauen* Portraits ge­schrieben. Uns interessieren die Bio­grafien der Älteren ebenso wie die Aus­einander­setzung der Jüngeren mit den Geschichten.

In Deutschland taucht in letzter Zeit immer häufiger der Begriff Femizid auf, wenn es um töd­liche Ge­walt gegen Frauen geht. In Latein­amerika wirken die Be­griffe femicidio und feminicido schon seit fast drei Jahr­zehnten als starke poli­tische Kampf­begriffe und wurden vieler­orts als Straf­rechts­kategorien institutionalisiert.

Ein­führung in die Debatten rund um den Begriff „Femi(ni)zid“ durch Sabine P. Maier von tifs, die 2015 zu den Straf­rechts­reformen zu Feminiziden in Mexiko ge­forscht hat. An­schließende Dis­kussion zu Ver­kürzungen, Kulturali­sierungen und sinn­vollen Möglich­keiten, den Begriff für soziale Be­wegungen zu nutzen.

Das Thema Identitätspolitik(en) treibt derzeit viele um. Der Begriff taucht in verschiedenen Zusammen­hängen auf – sowohl bezogen auf Macht­verhältnisse, Marginalisierung und Dis­kriminierung als auch auf Befreiung.

  • Wie kann die Forderung nach Anerkennung und Rechten von Be­troffenen öffent­lich gemacht werden, ohne damit Gefahr zu laufen, ‚ge­schlossene‘ Identitäten zu reproduzieren?
  • Was steckt hinter dem gegenwärtig so häufig formulierten Vor­wurf der Identitäts­politik?
  • Wem nutzt diese Argumentation?
  • Worauf zielt sie?

Inhaltliche Impulse erfolgen durch Dr. Gero Bauer & Rebecca Hahn, M.A. vom Zentrum für Gender- und Diversitäts­forschung der Uni­versität Tübingen und Dr.in Gerrit Kaschuba vom Forschungsinstitut tifs.

Diskussion mit Elisabeth Dongus aus der Sozial­planung Stuttgart zu ihrem partizi­pativen Forschungs­projekt in der Sucht­hilfe. Wo liegen die Besonder­heiten, Mühen und Un­wägbar­keiten eines solchen Forschungs­ansatzes, ins­besondere in der For­schung mit so­genannten vulnerablen Gruppen?

Zum Abschluss des Projekts „Crystal-Meth-Konsum von Frauen“, das tifs in Ko­operation mit dem Insti­tut für Erziehungs­wissenschaften der Uni­versität Tübingen durch­geführt hat, be­schäftigt uns erneut die Frage, wie wir syste­matisch das Zusammen­spiel von Kate­gorien sozialer Ungleich­heit und Unter­scheidung in Bezug auf Drogen­konsum heraus­arbeiten können und wie „Gender inter­sektional weiter­gedacht“ werden kann – zum einen in der For­schung und zum anderen in der Praxis.

Herausforderungen und Schwierig­keiten in der partizipativen For­schung am Bei­spiel eines Projekts zum Thema Geburt mit Dr. Cecilia Colloseus, wissen­schaftliche Mit­arbeiterin im Projekt „Re­traditionali­sierung pränatal?“ am Institut für Soziologie der Uni­versität Tübingen. Dieser Gender-Forschungs­salon fand in Ko­operation mit der Vortrags­reihe „Partizipative Sozial­forschung“ der Uni­versität Tübingen statt.

Ethische Herausforderungen der Praxis­forschung mit Minder­heits­ange­hörigen bzw. Menschen in be­lasteten Lebens­lagen, also Gruppen, die Gefahr laufen, Stig­matisierungen aus­gesetzt zu sein – diesmal am Beispiel von Menschen mit nicht-dominanten se­xuellen Orien­tierungen in An­knüpfung an unsere Studie zur Jugend­arbeit mit LSBTTIQ-Jugendlichen. Inhaltlicher Input von Yvonne Wolz, Diplom­pädagogin und Thera­peutin zu dem Stutt­garter Projekt „Kultur­sensible se­xuelle Orien­tierung – 'Andrej ist anders und Selma liebt Sandra'“, das von der Tür­kischen Ge­meinde Baden-Württemberg e. V. (TGBW) getragen wird.

Fragen und Diskussion mit Bezug zu einem Text von Nancy Fraser 2017: Für eine neue Linke oder: Das Ende des pro­gressiven Neo­liberalismus, in: Blätter für deutsche und inter­nationale Politik 2/2017, S. 71-76

Erfahrungen aus Projekten der (Lehr)­Forschung, Praxis und Be­teiligung. In­haltliche Im­pulse von Prof. Dr. Verena Ketter (Hoch­schule Esslingen), Andreas Foitzik (Netz­werk rassis­mus­kritische Migrations­pädagogik BW), Dr. Axel Pohl (Iris) und Jutta Goltz (Martin-Bonhoeffer Häuser)

Erfahrungen aus dem gleichnamigen Forschungs­projekt mit Susanne Dern, Bettina Müller und Regine Morys (Professor­innen an den Hoch­schulen in Esslingen und in Fulda)

Zwischenergebnisse und Thesen aus der quantitativen Erhebung und erste Er­kenntnisse aus den ver­tiefenden quali­tativen Inter­views durch Gerrit Kaschuba und Bettina Stauden­meyer vom Forschungs­institut tifs.

mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Karlsruhe Annette Niesyto

mit Ulrike Sammet von der LAG Mädchen­arbeit Mai 2015

mit Bettina Staudenmeyer

mit Dr. Safiye Yildiz, Akademische Rätin im Bereich Sozial­pädagogik der Uni­versität Tübingen

mit Dr.in Gerrit Kaschuba (tifs)

mit Claus Melter, Professor Dr. phil. an der Hoch­schule Esslingen

mit Susanne Dern, Professorin Dr. jur. an der Hoch­schule Esslingen

mit Gabriele Abels, Professorin Dr. phil am Politik­wissen­schaftlichen Insti­tut der Uni­versität Tübingen

mit Cornelia Helfferich, Professorin Dr. rer. soc. an der Evan­gelischen Hoch­schule Freiburg

mit Beiträgen von Wissenschaftlerinnen des tifs